Länderinformationen: Finnland

Finnland ist bekannt für seine Natur, seine Seen und endlosen Wälder. Finnland ist auch eines der digitalsten Länder der Welt, Innovationsführer in Cleantech und hat ein äußerst lebendiges Start-up-Ökosystem.

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Weite Teile Finnlands sind nur dünn besiedelt. Bevölkerung und Wirtschaftsleben der Republik konzentrieren sich stark auf prosperierende Ballungsräume. Diese sind von Deutschland aus schneller und günstiger zu erreichen als man glaubt.

Fakten

Einwohner 5,49 Millionen

Bevölkerungsdichte 17,4 Einwohner / km2

Offizieller Name Republik Finnland

Hauptstadt Helsinki

Staatsform Parlamentarische Republik

Unabhängigkeit 6. Dezember 1917

Landessprachen Finnisch 89 %, Schwedisch 5,3 % der Bevölkerung

Korrespondenzsprache Englisch

Religionszugehörigkeit Lutheraner (75,3 %), Orthodoxe (1,1 %), Sonstige (1,4 %), Keine (22,1 %)

Währung 1 Euro = 100 Cent

Bruttoinlandsprodukt 204,0 Mrd. Euro (Vorläufige Zahlen, 2014) 37 158 Euro / Einwohner

Wichtigste Außenhandelspartner
Export: Deutschland (12,0 %), Schweden (11,1 %), Russland (8,3 %)
Import: Russland (14,9 %), Deutschland (13,5 %), Schweden (11,4 %)

Ausfuhrgüter Papier, Zellstoff, Schnitt- und Sperrholz, Maschinen, Elektronik, Elektrotechnik, Eisen und Stahl, Chemische Erzeugnisse, Schiffe Einfuhrgüter Rohöl, Maschinen, Chemische Erzeugnisse, Autos, Eisen und Stahl, Bauelemente Industrie Metall- und Elektroindustrie, Forstindustrie, Chemische Industrie, Nahrungsmittelindustrie Rohstoffe Holz, Kupfer, Zink, Nickel, Gold

Politik

Finnland ist eine seit 1917 unabhängige Republik mit einer parlamentarischen Demokratie. Die politische Landschaft wird wesentlich von vier Parteien geprägt: dem ländlich orientierten Zentrum, den Sozialdemokraten, den rechtspopulistischen Basisfinnen und der konservativen Sammlungspartei.

Noch relativ große politische Bedeutung kommt dem Amt des Staatspräsidenten zu, das seit dem Jahr 2012 von Sauli Niinistö ausgeübt wird. Ministerpräsident ist Juha Sipilä (Zentrumspartei), der an der Spitze einer Drei-Parteien-Koalition aus Zentrumspartei, Sammlungspartei und Basisfinnen steht.

Wirtschaft

Moderne Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft

Die finnische Wirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten einen tiefgreifenden Strukturwandel durchgemacht. In den fünfziger Jahren noch eine Agrarnation hat Finnland in außerordentlich kurzer Zeit den Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft vollzogen. Rund zwei Drittel der Beschäftigten sind im Dienstleistungssektor tätig. Gleichwohl ist es immer noch die Industrie, von deren Entwicklung die Wirtschaftskraft des Landes abhängt. Die Industrie erwirtschaftet auch rund 85 % der finnischen Exporterlöse.

Spitzenbranche Metall- und Elektroindustrie

Wichtigster Industriezweig ist die Metall- und Elektroindustrie, die für rund die Hälfte der Industrieproduktion und auch der Ausfuhren verantwortlich ist. Insbesondere Elektronik hat beachtliche Exporterfolge - speziell mit Telekommunikationsgeräten - erzielen können. Den finnischen Unternehmen kommt hierbei das ausgezeichnete Bildungsniveau und die Aufgeschlossenheit der Finnen für neue Technologien zugute. Bei der Nutzung von Handys als auch des Internets liegt Finnland weltweit mit an der Spitze.

Holz- und Papierindustrie

Während für die finnische Metall- und Elektroindustrie vor allem das technische Know-how und die Qualität der Erzeugnisse von ausschlaggebender Bedeutung für ihren Erfolg auf dem Weltmarkt sind, hängt für die finnische Forstindustrie nach wie vor viel von der preislichen Wettbewerbsfähigkeit und der stark schwankenden Nachfrage nach Papier und Zellstoff ab. Die Forstindustrie stellt knapp ein Drittel der finnischen Gesamtausfuhren, wovon wiederum allein auf den Papiersektor drei Viertel entfallen.

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung

Weltweite Konjunkturschwankungen wirken sich auf die finnische Wirtschaft in der Regel überdurchschnittlich stark aus. Das Bruttoinlandsprodukt in Finnland ging 2014 um 0,4 % zurück (vorläufige Zahlen) und lag bei 204 Mrd. Euro.

xporte im November 2015: 4,3 Milliarden Euro (-7 % ggü. Vorjahresmonat). Importe im November 2015: 4,5 Milliarden Euro (-4 % ggü. Vorjahresmonat). Die Außenhandelsbilanz weist Ende 2014 ein Defizit von 1,8 Milliarden aus.

Für 2016 rechnet das Forschungsinstitut der Finnischen Wirtschaft (ETLA) in seiner Frühjahrsprognose mit einem BIP von +1,0 %. Die Inflationsrate wird im Jahresdurchschnitt 2016 bei voraussichtlich 0,7 % liegen. Die Arbeitslosenquote dürfte sich laut ETLA im Jahresdurchschnitt auf 9,5 % belaufen.

Finnischer Außenhandel

Finnland erzielte bis 2010 lange Zeit einen Handelsbilanzüberschuss, seit 2011 aber ein Handelsbilanzdefizit. Die wichtigsten Handelspartner sind Deutschland, Russland und Schweden. Der wichtigste Verkehrsweg für Frachtgüter ist der Seeweg.

Exportdefizit
Finnlands Außenhandelsbilanz wies 2014 erneut ein Defizit aus, das sich auf 1,8 Mrd. € belief. Im Jahr 2014 sanken die finnischen Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr marginal auf 56,0 Mrd. €. Die Einfuhren sanken um 1 % auf 57,8 Mrd. €.

Russland und Deutschland wichtigste Handelspartner
Wichtigster Handelspartner 2014 war Deutschland: 12,0 % der finnischen Ausfuhren gingen nach Deutschland, während 13,5 % der finnischen Einfuhren aus Deutschland stammten. Die deutschen Exporte nach Finnland beliefen sich im Jahr 2014 auf 7,8 Mrd. €. Die deutschen Einfuhren aus Finnland lagen bei 6,7 Mrd. €.

Deutsch-finnischer Handel
Die Struktur der deutschen Ausfuhren nach Finnland entspricht im Wesentlichen der deutschen Exportstruktur insgesamt, d.h. die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Elektrotechnik und die Chemische Industrie sind für rund drei Viertel der deutschen Lieferungen nach Finnland verantwortlich. Aus Finnland bezieht Deutschland im wesentlichen Papier, Zellstoff, Schnitt- und Sperrholz sowie Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse und andere High-Tech-Produkte. Nahrungs- und Genussmittel spielen dagegen in beiden Richtungen nur eine untergeordnete Rolle, obwohl mit dem EU-Beitritt Finnlands im Jahre 1995 auch in diesem Sektor die bis dahin geltenden Handelsbeschränkungen aufgehoben wurden.

Handelsvorschriften
Da Finnland Teil des gemeinsamen Binnenmarktes ist, gelten in Finnland die Vorschriften des EU-Zollkodexes und seiner Durchführungsverordnungen. Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr zwischen Finnland und Deutschland ist die Vorlage von Warenursprungsnachweisen daher grundsätzlich nicht mehr erforderlich, es gibt keine Grenzkontrollen, auch die Umsatzsteuerformalitäten beim Grenzübertritt sind entfallen. Die Einreise nach Finnland ist problemlos, da das Schengen-Abkommen auch für Reisende von und nach Finnland Anwendung findet. Reisepass oder Personalausweis brauchen seitdem bei der Einreise nicht mehr vorgezeigt werden, sollten aber mitgeführt werden. Auch alkoholische Getränke können bei der Einreise ohne Beschränkungen mitgeführt werden, sofern diese für den privaten Verbrauch bestimmt sind.

Exzellente Verkehrsanbindung

Die finnische Hauptstadt Helsinki ist mit dem Flugzeug von Deutschland aus in 2 bis 2 1/2 Stunden zu erreichen. Von Deutschland aus gibt es täglich mehr als zwei Dutzend Non-Stop-Flüge nach Finnland, und zwar von Frankfurt, Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Bremen und Stuttgart.

Auf dem Markt haben sich neben der Lufthansa und Finnair ab Tampere auch Ryanair etabliert. Ähnlich gut sind ferner die zuverlässigen Schiffsverbindungen, durch die Finnland von Mitteleuropa schnell und leicht erreichbar ist; die kombinierten Passagier-Frachtfähren sind lediglich 27-30 Stunden unterwegs.

Weit mehr als tausend Seen

Finnland ist das seenreichste Land der Erde. Insbesondere die Seenplatte in Südostfinnland hat Finnland seinen Ruf als "Land der Tausend Seen" eingebracht. In Wirklichkeit gibt es jedoch nicht weniger als 187.888 Seen und 179.584 Inseln in Finnland. Von allen westeuropäischen Ländern hat Finnland die längste Grenze zu Russland (1269 km). Im Norden grenzt es ferner an Norwegen (727 km), sowie im Nordwesten an Schweden (586 km). Die Ostseeküste ist rund 1100 km lang.

Bevölkerung und Sprache

Finnland ist relativ dünn besiedelt. Auf einer Fläche, die fast so groß wie Deutschland ist, leben nur 5,5 Millionen Menschen, davon allein etwa zwei Drittel im Dreieck der drei größten Städte Helsinki-Tampere-Turku im Südwesten des Landes.  Landessprachen sind das mit den indogermanischen Sprachen nicht verwandte Finnisch sowie Schwedisch. 89,3 % der Finnen sprechen Finnisch und 5,3 % Schwedisch als Muttersprache.

Kulturunterschiede

Die geschäftliche Kommunikation zwischen Finnen und Deutschen verläuft meist ohne größere Komplikationen, da die Gemeinsamkeiten überwiegen. Insbesondere wenn beide Seiten über Erfahrungen im internationalen Geschäft verfügen, dürften kaum Probleme auftreten. Gleichwohl gibt es einige Unterschiede, die beachtet werden sollten. Insbesondere Finnen, die wenig internationale Kontakte haben, sollte man nicht verübeln, wenn sie mit in Deutschland üblichen Gepflogenheiten weniger vertraut sind.

Händeschütteln
Das Händeschütteln ist auch in Finnland bei der Begrüßung durchaus die Regel, beim Verabschieden wird jedoch nicht selten darauf verzichtet.

Anrede
Es ist in Finnland nicht üblich, bei der Begrüßung den Namen des Gesprächspartners zu nennen; ein einfaches "Guten Tag" ist genau so freundlich gemeint wie ein "Guten Tag, Herr Müller". In finnischen Geschäftsbriefen und -mails fehlt gewöhnlich eine Anrede wie z.B. "Sehr geehrte Damen und Herren!". Aus diesem Grunde sollte man nicht überrascht sind, wenn diese auch in der Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern fehlt.

"Du" statt "Sie"
Zwar gibt es auch im Finnischen eine Entsprechung zum deutschen "Siezen", gleichwohl wird es auch unter Geschäftspartnern kaum noch genutzt. Deutsche Geschäftsleute sollten daher darauf gefasst sein, dass sie ohne vorherige Vereinbarung mit "Du" angesprochen werden. Das "Du" ist aber keineswegs mit dem Beginn einer persönlichen Freundschaft oder gar Verbrüderung gleichzusetzen, sondern ist lediglich die aus finnischer Sicht normale Anrede im Geschäftsleben.

Ausreden lassen
Bei Geschäftsverhandlungen und Gesprächen gilt es in Finnland als unhöflich, den Redner zu unterbrechen. Statt eines Dialogs oder einer Diskussion kommt es daher häufiger zu einer Abfolge von Monologen, in denen erst nach einer längeren Pause auf die Argumente des Vor- oder sogar Vorvorredners eingegangen wird.

Deutsch statt Englisch?
Die Fremdsprachenkenntnisse der Finnen sind hervorragend. Neben der zweiten Landessprache Schwedisch beherrschen Finnen zumeist ausgezeichnet Englisch und häufig auch noch Deutsch. Es empfiehlt sich, sofern ein Finne Deutsch sprechen möchte, dies auch entsprechend zu würdigen und nicht etwa ins Englische zu wechseln. Da das Deutsche für die Finnen in der Regel die dritte Fremdsprache ist, sollte man jedoch Verständnis dafür haben, wenn sie Deutsch nicht immer fließend und fehlerfrei sprechen. In diesem Fall empfiehlt es sich, das eigene Sprechtempo im Deutschen entsprechend anzupassen und allzu schwierige Satzkonstruktionen zu vermeiden.

Höflichkeit
Die finnische Sprache kennt kaum Höflichkeitsformen und -floskeln, wie sie z.B. im Deutschen oder auch anderen Sprachen zu finden sind. Auch das finnische Wort für "bitte" wird nur selten verwendet. Daher klingen Fragen und Bitten von Finnen auch in der deutschen Sprache zuweilen sehr direkt oder gar unhöflich, ohne dass dies so gemeint ist. Während das Wörtchen "bitte" von Finnen eher selten benutzt wird, kommt das Wort "danke" sehr viel häufiger vor. Finnen erwarten daher auch von ihren ausländischen Geschäftspartnern, dass diese sich für einen Empfang, ein gemeinsames Mittag- oder Abendessen, eine Firmenbesichtigung, eine andere Veranstaltung oder Gefälligkeit im Nachhinein noch einmal ausdrücklich bedanken.

Pünktlichkeit
Finnen sind in der Regel ausgesprochen pünktlich. Dies gilt sowohl für den privaten als auch für den geschäftlichen Bereich. Man kommt lieber fünf Minuten zu früh, als dass man sich auch nur um eine Minute verspätet.

Mündliche Vereinbarungen
Erfreulich ist, dass man sich in Finnland auf das gesprochene Wort verlassen kann. Um Missverständnissen vorzubeugen, sollten mündlich getroffene Vereinbarungen jedoch unbedingt auch schriftlich festgehalten werden.

Glückwünsche
Geburtstage werden in Finnland kaum gefeiert. Eine Ausnahme bildet jedoch der 50. Geburtstag, der ausgesprochen festlich begangen wird und zu dem man auch von ausländischen Geschäftspartnern einen Glückwunsch und gegebenenfalls auch ein repräsentatives Geschenk erwartet.

Ein Glückwunsch ist ferner angebracht, wenn man davon erfährt, dass der finnische Geschäftsfreund einen in der finnischen Wirtschaft üblichen Ehrentitel wie "Bergrat" [bei Führungspositionen in der Industrie], "Kommerzienrat" [bei Führungspositionen im Handel], "Seefahrtsrat" u. dgl. erhalten hat. Das gleiche gilt für hohe staatliche Auszeichnungen wie Orden, die zumeist anlässlich des finnischen Unabhängigkeitstages am 6. Dezember verliehen werden.

Sommerpause
Zu beachten ist die Sommerpause in Finnland. Die Schulferien beginnen bereits am ersten Wochenende im Juni und dauern bis Mitte August. Innerhalb dieses Zeitraums geht es auch in der finnischen Wirtschaft ausgesprochen ruhig zu. Zum Beispiel erscheint das führende Wirtschaftswochen-Magazin "Talouselämä" nach dem Mittsommernachtsfest zwei Monate lang nicht.

Schon in der Woche vor dem Mittsommernachtsfest, das am Samstag im Zeitraum 20. bis 26. Juni stattfindet und in Finnland etwa den gleichen Stellenwert hat wie das Weihnachtsfest, sollten mit finnischen Geschäftspartnern keine wichtigen Termine vereinbart werden. Im Hauptferienmonat Juli sind in finnischen Firmen, Institutionen und Behörden praktisch keine Entscheider mehr anzutreffen. Ab Mitte August läuft das Wirtschaftsleben wieder auf vollen Touren.