Länderinformationen: Finnland

Finnland ist bekannt für seine Natur, seine Seen und endlosen Wälder. Finnland ist auch eines der digitalsten Länder der Welt, Innovationsführer in Cleantech und hat ein äußerst lebendiges Start-up-Ökosystem.

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Flächenmäßig mit Deutschland vergleichbar, hat Finnland mit 5,5 Mio. Einwohnern nur einen Bruchteil der Bevölkerung der Bundesrepublik. Bevölkerung und Wirtschaftsleben konzentrieren sich stark auf prosperierende Ballungsräume im Süden des Landes. Weite Teile Finnlands sind nur dünn besiedelt.

Fakten

Fläche338.145 km²
Einwohner (2017) 5,5 Millionen
Bevölkerungsdichte (2017)16,3 Einwohner/ km²
Landessprachen (2016)Finnisch 88,3%, Schwedisch 5,3%
Geschäftssprache(n)Finnisch, Schwedisch, Englisch
WährungEuro
Bruttoinlandsprodukt (BIP, nom.) in Mrd. Euro2016: 214,1
2017: 217,9*
2018: 224,5*
*Schätzung/ Prognose
BIP/Kopf (nominal) in Euro2016: 38.959
2017: 39.507*
2018: 40.544*
BIP-Entstehung (%) in 2016öffentliche Verwaltung 18,3
verarbeitendes Gewerbe 14,3
Handel/Verkehr/Gastronomie/Gastgewerbe 13,7 Immobilien 11,1
unternehmensnahe Dienste 7,7
Bau 5,8
Information und Kommunikation 5,0
Land-und Forstwirtschaft 2,1
Sonstige 22,0
Wichtigste Außenhandelspartner (2017)Export:
Deutschland 14,2%
Schweden 10,3%
Niederlande 6,9%

Import:
Deutschland 15,5%
Russland 13,2%
Schweden 11,0%
Ausfuhrgüter nach CPA in % (2017)Produkte der Maschinenbau- und Beförderungsmittelindustrie 22,1
Holz- und Papiererzeugnisse 20,0
Produkte der chem. Industrie 19,1
Metall und Metallerzeugnisse 14,9
elektrische Maschinen, Apparate und Geräte 11,9
Andere 12,0
Einfuhrgüter nach BEC in % (2017)Industrielle Betriebsmittel 30,5
Investitionsgüter (ausgen. Beförderungsmittel) 20,5
Treib- und Schmierstoffe 13,5 Beförderungsmittel und Teile davon 13,0 Konsumgüter 10,7
Lebensmittel und Getränke 6,8
Andere Güter 5,1
Quellen:Finnisches Statistikamt, Germany Trade & Invest

Wirtschaft

Moderne Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft

Die finnische Wirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten einen tiefgreifenden Strukturwandel durchgemacht. In den fünfziger Jahren noch eine Agrarnation hat Finnland in außerordentlich kurzer Zeit den Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft vollzogen. Rund zwei Drittel der Beschäftigten sind im Dienstleistungssektor tätig. Gleichwohl ist es immer noch die Industrie, von deren Entwicklung die Wirtschaftskraft des Landes abhängt. Die Industrie erwirtschaftet auch fast 90 % der finnischen Exporterlöse.

Beförderungsmittelindustrie überholt Elektroindustrie im Export

Wichtigster Industriezweig ist die Metall- und Elektroindustrie, die für rund die Hälfte der Industrieproduktion und auch der Ausfuhren verantwortlich ist. Die Elektronik hat um die Jahrtausendwende beachtliche Exporterfolge speziell mit Telekommunikationsgeräten erzielen können. Den finnischen Unternehmen kommt hierbei das ausgezeichnete Bildungsniveau und die Aufgeschlossenheit der Finnen für neue Technologien zugute. Bei der Nutzung von Handys als auch des Internets liegt Finnland weltweit mit an der Spitze. Seit 2013 hat die Beförderungsmittelindustrie stark an Bedeutung gewonnen, insbesondere im deutsch-finnischen Handel, wo sie ein Drittel der finnischen Exporte nach Deutschland ausmacht. Der Anteil der Forstindustrie an den finnischen Gesamtausfuhren ist weiter gesunken und liegt nunmehr bei einem Fünftel.

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung

Finnlands Wirtschaft profitierte in der Vergangenheit überdurchschnittlich von der Globalisierung, war demzufolge aber von der weltweiten Wirtschaftskrise auch stärker betroffen als andere Industrieländer. Gründe hierfür waren die hohe Exportabhängigkeit der finnischen Wirtschaft sowie der hohe Anteil von Investitionsgütern am Export. 2009 stürzte Finnland in die stärkste Rezession seit Beginn der 1990er Jahre und die finnische Wirtschaft hat als letztes Land der EU erst im Jahr 2017 die Krise überwunden.

In seinem wirtschaftlichen Winter-Lagebericht hat das finnische Finanzministerium Ende 2017 geschätzt, dass das finnische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2017 um 3,1 Prozent gewachsen sei. Für 2018 wird erwartet, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes fortsetzt, auch wenn es sich auf 2,4 Prozent verlangsamt.

Deutsch-finnischer Handel

Seit 2014 ist Deutschland Finnlands wichtigster Handelspartner. Auch 2017 behielt die Bundesrepublik seine Stellung vor Schweden und Russland inne und belegte sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten die Spitzenposition.

Der Export aus Finnland nach Deutschland nahm 2017 um fast ein Viertel (+24%) zu und summierte sich auf 8,5 Mrd. Euro. Der Import aus der Bundesrepublik stieg ebenso um ganze 18 Prozent auf 9,6 Mrd. Euro. Zur größten Exportkategorie unter den finnischen Exporten nach Deutschland avancierten die Beförderungsmittel, deren Anteil von 21 Prozent in 2016 auf 30,6 Prozent in 2017 stieg. Dies entspricht einer Zunahme um 83 Prozent. Diese ist vor allem auf das starke Wachstum bei Valmet Automotive zurückzuführen, das seit 2013 für Mercedes Benz KFZ fertigt und auf die gute Auftragslage der Werft Meyer Turku. Stark legten auch die Bereiche Öl und Ölprodukte (+55%, 2,8% Anteil) und Metall und Metallerzeugnisse (+27%, 18,2% Anteil) zu. Eine negative Entwicklung verzeichneten unter den Hauptwarenkategorien lediglich die Produkte der chemischen Industrie (-9%) und Holz- und Papiererzeugnisse (-6%).

Bei den finnischen Importen aus Deutschland erhöhte sich 2017 der Export von Beförderungsmitteln mit 39 Prozent (auf 22,3% Anteil) am stärksten. Weiteres starkes Wachstum wurde in den Bereichen industriellen Anlagen (+20%), Metall und Metallerzeugnisse (+17%) sowie elektrische Maschinen, Apparate und Geräte (+14%) verzeichnet.

Weit mehr als tausend Seen

Finnland ist das seenreichste Land der Erde. Insbesondere die Seenplatte in Südostfinnland hat Finnland seinen Ruf als "Land der Tausend Seen" eingebracht. In Wirklichkeit gibt es jedoch nicht weniger als 187.888 Seen und 179.584 Inseln in Finnland. Von allen westeuropäischen Ländern hat Finnland die längste Grenze zu Russland (1269 km). Im Norden grenzt es ferner an Norwegen (727 km), sowie im Nordwesten an Schweden (586 km). Die Ostseeküste ist rund 1100 km lang.

Bevölkerung

Finnland ist relativ dünn besiedelt. Auf einer Fläche, die fast so groß wie Deutschland ist, leben nur 5,5 Millionen Menschen, davon allein etwa zwei Drittel im Dreieck der drei größten Städte Helsinki-Tampere-Turku im Südwesten des Landes.

Bildung als Grundlage für Innovation und Digitalisierung

In Finnland wird Bildung groß geschrieben: Neben den guten Ergebnissen in der PISA-Studie listen das Weltwirtschaftsforum und die OECD die finnische Bildung zu den besten der Welt. Doch damit noch nicht genug: Die finnische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 mindestens die Hälfte der 25-33-Jährigen über einen Hochschulabschluss verfügt.

DESI, der Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft, platziert Finnland mit seinen hochqualifizierten Arbeitnehmern im Bereich Humankapital auf Rang 1 und in Bezug auf die Digitalisierung auf Rang 2 in Europa. Das nordische Land zählt zu den kreativsten Cleantech-Nationen der Welt und führt laut der Consumer Technology Association die Liste der innovativsten Länder der Welt an. Mit seinem vibranten Start-up-Ökosystem gehört die finnische Hauptstadt Helsinki zu den internationalen Hotspots für Start-ups aus der ganzen Welt. Das Land weist die höchste Business Angel-Dichte der Welt aus und finnische Start-ups erhalten prozentual das meiste Risikokapital in Europa.

Kulturunterschiede

Deutsche und Finnen sind sich in ihrer Mentalität ähnlich. Deshalb wird häufig angenommen, dass sich die geschäftliche Zusammenarbeit zwischen den Ländern auf Anhieb einfach gestaltet. Umso größer ist die Verwunderung, wenn internationale Entsendungen oder Geschäftsverbindungen scheitern.

Der Hauptgrund liegt oft in der unterschiedlichen Geschäftskultur der Länder und damit im eigenen Handeln. Der Ablauf von Entscheidungsprozessen, die Hierarchie in den Unternehmen, die Art der Kommunikation, der Managementstil oder die Arbeitszeit stellen eine Auswahl der Punkte dar, in denen sich das finnische Arbeits- und Geschäftsleben stark vom deutschen unterscheidet.

Einige ausgewählte Beispiele für kulturelle Unterschiede sind:

Händeschütteln

Das Händeschütteln ist auch in Finnland im geschäftlichen Umgang bei der Begrüßung durchaus die Regel, beim Verabschieden wird jedoch nicht selten darauf verzichtet.

Anrede

Es ist in Finnland nicht üblich, bei der Begrüßung den Namen des Gesprächspartners zu nennen; ein einfaches "Guten Tag" ist genau so freundlich gemeint wie ein "Guten Tag, Herr Müller". In finnischen Geschäftsbriefen und -mails fehlt gewöhnlich eine Anrede wie z.B. "Sehr geehrte Damen und Herren". Aus diesem Grunde sollte man nicht überrascht sind, wenn diese auch in der Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern fehlt.

"Du" statt "Sie"

Zwar gibt es auch im Finnischen eine Entsprechung zum deutschen "Siezen", gleichwohl wird es auch unter Geschäftspartnern kaum noch genutzt. Deutsche Geschäftsleute sollten daher darauf gefasst sein, dass sie ohne vorherige Vereinbarung mit "Du" angesprochen werden. Das "Du" ist aber keineswegs mit dem Beginn einer persönlichen Freundschaft oder gar Verbrüderung gleichzusetzen, sondern ist lediglich die aus finnischer Sicht normale Anrede im Geschäftsleben.

Ausreden lassen

Bei Geschäftsverhandlungen und Gesprächen gilt es in Finnland als unhöflich, den Redner zu unterbrechen. Statt eines Dialogs oder einer Diskussion kommt es daher häufiger zu einer Abfolge von Monologen, in denen erst nach einer längeren Pause auf die Argumente des Vor- oder sogar Vorvorredners eingegangen wird.

Englisch als Lingua franca

Die Fremdsprachenkenntnisse der Finnen sind hervorragend. Neben der zweiten Landessprache Schwedisch beherrschen Finnen zumeist ausgezeichnet Englisch.

Höflichkeit

Die finnische Sprache kennt kaum Höflichkeitsformen und -floskeln, wie sie z.B. im Deutschen oder auch anderen Sprachen zu finden sind. Auch das finnische Wort für "bitte" wird nur selten verwendet. Daher klingen Fragen und Bitten von Finnen auch in der deutschen Sprache zuweilen sehr direkt oder gar unhöflich, ohne dass dies so gemeint ist. Während das Wörtchen "bitte" von Finnen eher selten benutzt wird, kommt das Wort "danke" sehr viel häufiger vor.

Pünktlichkeit

Finnen sind in der Regel ausgesprochen pünktlich. Dies gilt sowohl für den privaten als auch für den geschäftlichen Bereich. Man kommt lieber fünf Minuten zu früh, als dass man sich auch nur um eine Minute verspätet.

Mündliche Vereinbarungen

Erfreulich ist, dass man sich in Finnland auf das gesprochene Wort verlassen kann. Um Missverständnissen vorzubeugen, sollten mündlich getroffene Vereinbarungen jedoch unbedingt auch schriftlich festgehalten werden.

Sommerpause

Die Schulferien beginnen in Finnland bereits am ersten Wochenende im Juni und dauern bis Mitte August. Innerhalb dieses Zeitraums geht es auch in der finnischen Wirtschaft ausgesprochen ruhig zu. Schon in der Woche vor dem Mittsommernachtsfest, das am Samstag im Zeitraum 20. bis 26. Juni stattfindet und in Finnland etwa den gleichen Stellenwert hat wie das Weihnachtsfest, sollten mit finnischen Geschäftspartnern keine wichtigen Termine vereinbart werden. Im Hauptferienmonat Juli sind in finnischen Firmen, Institutionen und Behörden praktisch keine Entscheider anzutreffen. Ab Mitte August läuft das Wirtschaftsleben wieder auf vollen Touren.


Die Deutsch-Finnische Handelskammer bietet Unternehmen den Workshop „Business Culture Training“ an, in dem u.a. auf die deutsch-finnischen Stereotypen und Kulturunterschiede eingegangen wird. Die sich unterscheidenden Verhaltensweisen in der Kommunikation sowie Unterschiede in Verhandlungs- und Geschäftskultur werden durch praktische Übungen und Fallstudien verdeutlicht. Die Schulung wird auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten.

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